Locomotora A Cuba



Addys Mercedes
Locomotora A Cuba
Album 5.9.14

1. Single Rompe el Caracol

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Label: Media Luna
LC 11401

all songs written by:
Addys Mercedes
Cae Davis
Pomez di Lorenzo

Locomotora A Cuba

Wer nach dem Besonderen in Kubas aktueller Musik sucht, stößt unweigerlich auf die warme Stimme von Addys Mercedes, die uns in ein Kuba zwischen ausgelassener Fröhlichkeit und tiefer Melancholie entführt. Ein Album das den Klang Kubas verkörpert und taufrisch klingt.

Addys Mercedes hat viele Geschichten zu erzählen: Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen im ländlichen Kuba, erinnert sie sich an ihre Jugend – an die Seifenkiste („Carrito de Cartón“), die sie sich mit ihren Geschwistern baute, in ihren Träumen durch Havanna raste und sich Verfolgungsjagden mit der Polizei lieferte. Oder an die alte Fähre, die vor ihrer Heimatstadt Moa ankerte und Addys die Bretter lieferte, die die Welt bedeuten (Ahí). Mittlerweile lebt Addys Mercedes in Essen und ihr neues Album „Locomotora a Cuba“ beschreibt das Spannungsfeld zwischen den Kulturen: Die Erlebnisse und alltäglichen Gegenstände, die sie mit nach Kuba nehmen würde und die Lebendigkeit und Wärme, die sie mit zurück nach Europa bringt.

Der Heimatbahnhof ist ihre Familie, die sie auf Schritt und Tritt begleitet. Ihre Tochter Lia (13) begeistert sich für klassische Musik und begann vor 2 Jahren ein Geigenjungstudium. Nachdem sie bei dem Vorgängeralbum „Addys“ einige wenige Parts aufnahm, prägt sie nun das Klangbild des neuen Albums entscheidend mit. Eine Tradition der kubanischen Charangaorchester der 40er Jahre, die immer mehr in Vergessenheit gerät. Mit auf Reisen geht auch ihr Lebensgefährte Cae Davis (Bass, Gitarre, Percussion) und der „Adoptivonkel“ Pomez di Lorenzo (Gitarren, Okulele, Tres), mit denen sie gemeinsam ihre Songs schreibt. Addys liebt es auf der Bühne zu stehen, die Einmaligkeit des Moments und die Nähe zum Publikum zu spüren. Ein Gefühl, das ihr auf dem Album einzufangen gelang. Mit diesem kubanischen Zug, der pausenlos zwischen Kuba und Europa pendelt, stillt sie ihr Heimweh und die Neugierde neue Ufer zu entdecken.

Addys Mercedes hält nicht nur die kubanische Musik in Europa lebendig. Im vergangenen Dezember entfloh sie dem Ruhrgebietswinter und tourte mit ihrer Familyband durch ihre alte Heimat. Sie spielten akustische Konzerte in Wohnzimmern von Fans und Freunden, auf der Strasse und in Kulturhäusern. Ihre Vorabsingle „Rompe el Caracol“, auf der sie singt – „die Polizei ist weg und der Pastor schläft, komm’ aus Deinem Schneckenhaus und lass’ Dich verführen“ – sprach den Menschen aus dem Herzen. Aus dem Nichts entstanden spontane Partys und ihre Landsleute entdeckten ihre verloren geglaubte musikalische Tochter wieder. In Deutschland kam die Single schon bis auf #90 der Radiocharts.


Doch besonders die leisen Töne lassen ihrer grossen Stimme Platz zur Entfaltung. Die sehnsüchtige Ballade „Atrapa los Sueños“ (halt Deine Träume fest) rührte die kubanischen Zuhörer zutiefst an. In den Strophen lauschten sie Addys’ Geschichten um keine Silbe zu verpassen, denn es steht in den Sternen, ob sie das Lied jemals wieder live hören werden. Seit 20 Jahren hat Addys nicht mehr in Kuba gesungen und trotzdem klopften bei Hauskonzerten Nachbarn an und fragten ob sie gerade Addys’ Stimme gehört hätten. Als Jugendliche war sie es, die die Nachbarschaft mit ihren Liedern unterhielt als es noch keinen Fernseher gab. Für sie hat Addys Kuba, ein Land, dass ohne Musik nicht leben könnte, viel zu früh verlassen.

In Kuba ist Addys Mercedes mit regional erfolgreichen Bands getourt und hat bei den täglichen Proben von älteren Musikern lernen können. Aber als junge Frau aus der Provinz hätte sie es in der männerdominierten Musikwelt Havannas nicht leicht gehabt, ihre eigenen Lieder zu singen und sich musikalisch weiterzuentwickeln. Erst in Europa konnte sie klassischen Gesangsunterricht nehmen, Gitarre lernen und bei gemeinsamen Konzerten Legenden wie Eric Clapton, Bob 
Geldof und Ringo Starr begegnen.

In ihrem Debütalbum „Mundo Nuevo“ (2001) beschrieb Addys noch in traditionellem Gewand ihre Ankunft in Europa, während sie auf dem Folgealbum „Nomad“ (2003) mit elektronischen Elementen experimentierte. Mit ihrem dritten Album „Addys“ (2012) ist sie angekommen in dieser neuen Welt und tourte erstmalig mit ihrer Familyband.

Vielleicht war es erst der Blick von aussen, der es Addys ermöglichte die Schönheit ihrer Heimat zu entdecken. Ob nachdenkliche Geschichten aus der Kolonialzeit („Negrito Congo“) und über die Ungerechtigkeit „No Queda Nada“ (Uns bleibt nichts) – oder die unbefangene Vorfreude auf dem Weg zu einem kubanischen Fest („Bembé“) – ihre unverwechselbare Stimme nimmt uns Zuhörer mit auf eine Reise fernab von klischeebehafteten Touristenstränden, aber voller Überraschungen.

Willkommen im Zug nach Kuba !